Abwasserkorporation Unterwasser
Geschichte
Im Sommer 1962 setzten die Gemeinderäte von Wildhaus und Alt St. Johann eine
Kanalisationskommission ein. Ihre Aufgabe war es, die Vorarbeiten für ein
Projekt einer Kläranlage für das Gebiet Unterwasser und den westlichen Teil
der Gemeinde Wildhaus mit den zugehörigen Kanälen auszuarbeiten.
Mit den Vorschlägen des Ing. Büros Kuster & Hager, Uznach für die
Kläranlage und dem Büro Eggenberger, Buchs, für die Kanäle wurde die
Bevölkerung im April 1964 orientiert.
Am 6. Juni 1964 erfolgte die Gründungsversammlung der Abwasserkorporation
Unterwasser, die nach langen Diskussionen (Die Versammlung dauerte 5 Stunden)
das Reglement, den Beitragstarif und die Baubeschlüsse fasste. Der ebenfalls an
dieser Versammlung gewählte Verwaltungsrat erhielt auch die Kompetenz, am
festgelegten Standort 1700 m2 Boden zum Preise von Fr. 45'000.- zu erwerben und
den Bau von Kläranlage und Kanälen von gesamthaft Fr. 2.18 Mio. abzüglich der
Subventionen von Bund und Kanton in Angriff zu nehmen.
Von Sommer 1964 bis Sommer 1966 wurden die Anlage und vom Hauptleitungsnetz
fast 6 km erstellt. Bis 1970 wurden dann die noch fehlenden 3,5 km Leitungen bis
Iltios auf der Schattenseite und Rheintalerhaus (jetzt Sunnehuus) auf der
Sonnenseite fertiggestellt. Bei der Schlussabrechnung mit Bund und Kanton ergab
sich eine Totalsumme von Fr. 2.2 Mio., was gegenüber dem Kostenvoranschlag von
1963 trotz massiver Teuerung als sehr gut bezeichnet werden konnte. Die
Endverschuldung betrug zum damaligen Zeitpunkt Fr. 650'000.-, die in den
kommenden Jahren dank sehr reger Bautätigkeit relativ rasch ganz amortisiert
werden konnte.
Im Sommer 1966 konnte die Anlage in Betrieb genommen werden und Ende
September fand mit Behörden von Bund und Kanton die offizielle Einweihung der
Anlage statt.
Die Kläranlage in der Thur in Wildhaus war seit 1964 in Betrieb und mit
unserer Kläranlage 1966 in Betrieb war das oberste Toggenburg vom
Gewässerschutz her gesehen eine Vorzeigeregion geworden!
Nach nur wenigen Betriebsjahren mussten wir immer mit der Schlammfaulung
kämpfen. Die zu tiefen Temperaturen verunmöglichten eine gute Faulung, was
für die Schlammqualität zur Verwendung in der Landwirtschaft sich sehr negativ
auswirkte. Mit dem Einbau der Faulraumheizung und einem Gasometer konnte dieses
Problem bestens gelöst werden. Das sich im geschlossenen Faulraum entwickelnde
Methangas füllte den Gasometer und die Gasheizung brachte den Schlamm auf rund
34 Grad.
Mit ähnlichen Problemen und vor allem mit Geruchsbelästigungen hatte die
Anlage in Wildhaus zu kämpfen. Im Sinne einer Übergangslösung wurde ab 1984
in Wildhaus auf die Ausfaulung verzichtet und der Frischschlamm regelmässig in
unser Kanalnetz gepumpt und dann in der Anlage in Unterwasser weiter
verarbeitet. In der Saisonzeit wäre aber unsere Anlage stark überlastet
gewesen und so wurde auf Anraten der Fachleute eine Pumpleitung ins Netz der
Kanalisation von Alt St. Johann verlegt und ein Teil unseres Abwassers
schlussendlich in Stein gereinigt.
Während dieser Zeit wurden bereits Überlegungen für eine neue zentrale
Abwasserreinigungsanlage in Stein diskutiert, was von 1988 - 1996 in der
Arbeitsgruppe ARA Churfirsten erarbeitet wurde und 1996 zur Gründung des
Abwasserverbandes Churfirsten für die drei Gemeinden Wildhaus, Alt St.
Johann und Stein führte. Mit der Fertigstellung dieser neuen regionalen
Anlage im Sommer 2000 waren die Tage unserer Kläranlage gezählt und im Oktober
2000 begann der Abbruch. Auf diesem Areal steht heute nur noch das neue, kleine
Pumpenhaus, wo das Abwasser von Wildhaus und Unterwasser in Richtung Stein
gepumpt wird. Ebenfalls stehen gelassen wurde der Gasometerraum, der für
Lagerzwecke verwendet wird.
Mit dem neuen Reglement, erstellt durch die Gemeinde, sind wir im ganzen
Gebiet gleichen Rechten und Pflichten unterstellt und daher erfolgte unser
Antrag auf Auflösung unserer Abwasserkorporation Unterwasser
Der Präsident der AKU
Heinrich Güttinger
Einstimmig sind am 16.12.2002 die Genehmigung der Übergabe-Vereinbarung
sowie die Auflösung der Korporation beschlossen worden. Auf 1.1.2003 wurde die
Abwasserkorporation Unterwasser aufgelöst.
Heinrich Güttinger war 40 Jahre lang Präsident der Abwasserkorporation
Unterwasser und somit deren einziger Präsident.